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COLIN TOWNS & HR BIGBAND
Heinz-Dieter Sauerborn · as/ss/fl/a-fl
Oliver Leicht · as/ss/fl/a-fl/b-fl
Tony Lakatos · ts/ss/fl/a-fl/b-fl
Julian Argüelles · ts/ss/a-fl/b-cl
Rainer Heute · bs/b-cl/contrab-cl
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Martin Auer · tp/flh
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Peter Feil · tb/euph
Christian Jaksjø · tb/euph
Manfred Honetschläger · btb
Martin Scales · g
Vladislav Sendecki · p, fender rhodes, keyb
Thomas Heidepriem · b
Farouk Gomati · perc
Wolfgang Haffner · dr
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Kein anderer in der Geschichte des modernen Jazz hat sich so
wenig mit Erreichtem begnügt, und kaum ein anderer hat sich
so sehr wie Miles Davis die Musik seiner Umgebung angeeignet
und in ureigene Konzepte verwandelt. Ob es sich um die
modalen Klänge der 1960er Jahre handelte, die Miles für den
neuen Jazz der 1970er in fruchtbaren Humus verwandelte, den
Underground eines Jimi Hendrix, der ihn zu jenen Lava artigen
Höllenexkursen katapultierte, die europäische Avantgarde, den
weißen Rock, oder Rap und Hip Hop: Nichts war ihm heilig. Alles
Aktuelle schien ihm der passende Rohstoff, um selbst dann
noch in die historische Entwicklung des Jazz einzugreifen, als ihn
viele schon längst abgeschrieben hatten.
Colin Towns, den englischen Komponisten und Arrangeur, der
auf den Begriff „Multitalent“ eigentlich das Urheberrecht besitzen
müsste, reizt genau diese Genialität. Der ständige Blick in
die Zukunft treibt den Soundalchemisten gleichfalls zu immer
neuen Großtaten mit seiner Bigband The Colin Towns Mask Orchestra,
die bislang sechs Alben, darunter „The Orpheus Suite“,
eine vom Birmingham Royal Ballet in Auftrag gegebene Ballettmusik,
vorlegte. Seit 2006 zählt auch die hr-Bigband zu Towns’
Kreativ-Portfolio. In einer höchst erfolgreichen Kollaboration mit
dem hochkarätig besetzten deutschen Klangkörper arrangierte
der Engländer die Musik des Mahavishnu Orchestras („Meeting
Of The Spirits“ In & Out Records IOR CD 77086-2). Das Projekt,
an dem auch Drum-Superstar Billy Cobham mitwirkte, erntete
euphorisches Kritikerlob auf internationaler Ebene.
Nun versuchten sich Towns und das öffentlich-rechtliche Frankfurter
Musikerkollektiv am 6. Juni 2008 im Sendesaal des Hessischen
Rundfunks erneut an der Umsetzung von Musik, die
ursprünglich für reißende Gitarren, krachende Schlagzeuge und
gewaltige Verstärkertürme geschrieben wurde. Mahavishnu
Orchestra und Miles Davis’ elektrische Phase: Wer glaubt, dass
angesichts einiger markanter Parallelen in Teil zwei der Zusammenarbeit
wieder das gleiche Rezept zur Anwendung kommt,
dem widerspricht Towns vehement: „Das Miles-Projekt ist ganz
anders: Vieles ist hier wie Musik von James Brown ohne Melodien.
Das ist eher ein Ausgangspunkt, um mit verschiedenen
Rhythmen und Farben zu experimentieren. Manchmal sind da
nur zwei Takte als Grundlage, ein Bass mit ein wenig Melodie.
In mehrfacher Hinsicht war das eine größere Herausforderung,
weil ich herausfinden musste, was ich aus dieser Musik herausgreifen
konnte und wie ich es funktionieren lassen kann mit all
den Solisten und der Band.“
Die elektrischen Geistesblitze des Schwarzen Prinzen zwischen
1969 und 1989 beruhen häufig auf Klangflächen mit spärlichen
Melodien. Die Quadratur des Kreises, hier 13 Bläser variabel agieren
zu lassen, gelang Colin Towns mit einem Kunstgriff: In der
Vorbereitung selektierte er einzelne Abschnitte und nahm sie
mit Drumloops und Bläsersätzen auf, dampfte die bis zu 20 Minuten
langen Originaltitel ein, pickte sich ein Solo, ein Riff, eine
Farbe heraus. Weil es sich dabei fast ausschließlich um improvisierte
Musik handelte, begann auch er zu improvisieren. „Das
Ganze bekommt so einen lockeren Charakter. Es fühlt sich gar
nicht so sehr nach Bigband an. Dazu verwendete ich Instrumente
wie Flöten, Altflöten, sehr tiefe Bassklarinetten oder Kontrabassklarinetten.
Das Resultat ist gar nicht so weit entfernt von
Miles’ ursprünglichen Ideen.“
In der Tat gelang es Colin Towns und der hr-Bigband, bei der
diesmal Deutschlands kreativster Schlagzeuger Wolfgang Haffner
am Drumset sitzt, die ungestüme Energie von Miles Davis zu
bewahren und sie dennoch auf faszinierende Weise in eine neue
Richtung zu lenken. Titel wie „Bitches Brew“, „Spanish Key“,
„Wili“, „Backseat Betty”, „Aida”, „In A Silent Way”, „Full Nelson”
oder „Tutu” erweisen sich im ungewohnten Bigband-Gewand
als dramaturgische Meisterwerke, deren Zauber auch nach 40
beziehungsweise 20 Jahren immer noch wirkt. „Für Miles war
es entscheidend wichtig, neue Türen zu öffnen und neue Wege
zu erkunden“, rekapituliert Towns. „Wir alle brauchen diese Vision,
vielleicht mehr als je zuvor, Denn heute denkt anscheinend
jeder, alle sollten wieder Bebop lernen. Das ist aber nicht unbedingt
so.“ Einige bislang unbekannte Türen stehen nach „Visions
Of Miles“ jedenfalls sperrangelweit offen. |
| Audio-CD / 17.50 € |
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COLIN TOWNS & HR BIGBAND
> Visions Of Miles <
IOR CD 77101-2
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TITLES:
Click on "Play" to listen! |
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Bitches Brew / Spanish Key
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Moja (Part 1)
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Black Satin
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Wili (Part 1)
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Backseat Betty
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He Loved Him Madly
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Agartha Prelude Club
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Calypso Frelimo
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